Fotos: Isabella Rutherford13.02.2026 ● Isabella Rutherford
Anpacken und anheizen - Johann Maurer aus Konzell befeuert in seinem Beruf alte Öfen mit modernem Nutzen
Rauch strömt aus dem Kamin des kleinen Häuschens im Hof von Familie Maurer in Konzell. Was fast wie eine Kapelle aussieht, hat mit dieser Art Glaube wenig zu tun – dafür mehr mit dem Glauben an Tradition und Handwerkskunst.
„Mein damaliger Lehrgeselle hat noch vor dem Krieg gelernt, solche Holzbacköfen zu bauen“, erzählt Johann Maurer, „und er hat es mir beigebracht.“ Für sein Gewerbe als „einziger professioneller Holzbackofenbauer Bayerns“ hat er sogar eine extra Ausübungsberechtigung der niederbayerischen Regierung – was er allerdings nicht hat: eine Ausbildungserlaubnis. „Der Beruf des Ofenbauers ist heute im Grunde ausgestorben, weshalb es dazu auch keine Ausbildung geben kann“, erläutert Maurer.
Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt
Doch als hätte sein Name ihm seine Berufung bereits vorgeschlagen, ist er eigentlich Maurermeister und bildet dahingehend auch gerne aus. „Klar ist, dass bei mir der Ofenbau einfach mit dazu gehört.“ Das heißt für zukünftige Azubis bei ihm nicht nur, dass sie mal einen Ofen mauern, sondern auch, dass sie erfahren, wie er zu bedienen ist. Denn Maurer berät seine Kunden auch über den Ofenbau hinaus in der Handhabung sowie beim Backen, Rösten und Trocknen mit dem Ofen.
Sowohl mobile als feststehende und vor Ort gebaute Öfen bietet der Handwerksmeister an, die er nach den Wünschen der Kunden gestaltet. „Einer wollte mal einen Ofen im Stil des Künstlers Hundertwasser“, beschreibt er, „auch einen Hexenhäuschenverschnitt haben wir schon gebaut.“
Mit „wir“ meint er sich und seinen Sohn Matthias, der mit ihm zusammen das Unternehmen führt und ebenso ausbilden darf. Wichtig seien für beide vor allem Zuverlässigkeit und „Anpacken“, das auf Interesse für Nischenwissen basiert.
Das Innenleben der Öfen mauert Maurer freihändig – dabei müsse man sich vor allem mit den Baumaterialien auskennen: „Während man für andere Dinge bereits Vorgemischtes verwendet, braucht man für das traditionelle Ofenbauhandwerk Kenntnisse über rein natürliche Materialien und deren Verhalten“, erklärt der Experte. Dabei spreche er vorrangig über Lehm, Ziegel und Naturstein, der auch manchmal nach Kundenwunsch verbaut würde.
Ein Ofen für die Seychellen
Ihn erreichten Kundenanfragen bereits über die Grenzen Deutschlands und sogar Europas hinaus: Einer seiner Öfen sei sogar bis auf die Seychellen gezogen, viele andere gingen nach ganz Deutschland und Österreich. Maurer sucht nach dem, was ihn herausfordert: So steht er unter anderem auch im Guinness Buch der Weltrekorde, denn er hat 2017 zum Versuch, den größten Burger der Welt zu machen, den nötigen Ofen für die 1,50-Meter-Buns gebaut. Als Maurermeister selbst verbindet Maurer Traditionelles aber nicht nur im Ofenbau mit modernen Herausforderungen. Besonders haben es ihm alte Gebäude angetan: „Jegliche Art von Gewölbebau, Renovierungen von alten, teils denkmalgeschützten Gebäuden, das mach ich als Maurer auch.“ Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass er eine alte Burgmauer rekonstruiert oder den Lehmputz bei denkmalgeschützten Gebäuden mit dem Werkstoff Holz verbindet. „In diesem Beruf muss man sich mit unterschiedlichen Materialien auseinandersetzen, nicht nur mit dem Stereotypischen.“ „Wer zu mir kommt und wie der aussieht“, sehe Maurer ohne Voreingenommenheit – ein Mädchen könne genauso gut anpacken wie ein Bub, ein Älterer genauso gut lernen wie ein Jungspund.
Wichtig sei ihm aber Flexibilität und vielseitige Interessiertheit, denn „auch mit Statik muss man sich da auskennen“. Um zu lernen, seien Neugier und Bereitschaft zur Arbeit Grundvoraussetzungen. Gegen einen „eigenen Kopf“ habe er nichts – im Gegenteil, er wertschätze neue Ideen und Kreativität. „Das ist ja ein Zeichen, dass einer mitdenkt.“




