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Über Blümchen freut sich jeder, findet auch Markus Huttenlocher. Doch der Gärtnerberuf wird laut dem 46-Jährigen oft unterschätzt.Foto: Sandra Schörghuber

25.09.2026 ● Sandra Schörghuber

Der schönste Arbeitsplatz der Welt - Niki Gamrath ist angehender Gärtner in der Fachrichtung Zierpflanzen mit dem Schwerpunkt Verkauf und Beratung

Nach zwei Jahren traf Niki Gamrath eine Entscheidung: Das Studium der Chemie und Biochemie ist nicht das Richtige für ihn. Er brach den Studiengang ab und absolviert nun eine Ausbildung zum Gärtner in der Fachrichtung Zierpflanzen im Gartencenter Bayerstorfer in Eching. Oder: am schönsten Arbeitsplatz der Welt, wie sein Chef Markus Huttenlocher findet.

Der 46-Jährige ist seit 20 Jahren Gärtnermeister und Ausbilder. Außerdem ist er ein Bekannter von Niki Gamraths Mutter, die ihm erzählte, dass ihr Sohn sich nach dem Abbruch seines Studiums gerade neu orientiert. Huttenlocher schlug vor, dass er doch als Aushilfe im Gartencenter arbeiten könne – und daraus ist „etwas sehr Gutes entstanden“, so der Gärtnermeister. Denn Niki Gamrath gefiel die Arbeit. „Nach zwei oder drei Wochen habe ich gemerkt, dass es mir viel Spaß macht. Dann bin ich geblieben“, erzählt der 22-Jährige. Inzwischen steht er am Beginn seines zweiten Ausbildungsjahres zum Gärtner mit der Fachrichtung Zierpflanzen und dem Schwerpunkt auf Verkauf und Beratung. „Ich habe etwas gesucht, das meinen Körper beansprucht, wo ich ein bisschen aktiver bin, wo ich mehr Kontakt zu Leuten habe, weil ich auch früher sehr viele Probleme mit Menschen und soziale Ängste hatte. Durch den Kundenkontakt hat sich das auch um einiges verbessert“, erzählt Gamrath. All das bietet ihm seine Arbeit als Gärtner.

Beraten und kümmern

Während seiner dreijährigen Ausbildung durchläuft er die drei verschiedenen Bereiche des Gartencenters: Zimmerpflanzen, Baumschule und Gärtnerei. Ab September steht für Gamrath die Arbeit in der Baumschule an. Zuletzt war er während seines ersten Ausbildungsjahres in der Gärtnerei tätig. Hier beginnt ein typischer Arbeitstag um kurz vor acht Uhr mit einer Besprechung mit dem Chef und den Kollegen, was an dem Tag ansteht. Kommt eine Warenlieferung? Gibt es wichtige Aufgaben, die erledigt werden müssen? Anschließend werden die Pflanzen gegossen und die Verkaufsräume gekehrt, bevor um 9 Uhr das Gartencenter öffnet und die ersten Kunden eintreffen. „Ab da ist es der typische Ablauf: beraten und sich um die Pflanzen kümmern“, sagt Gamrath. Denn zur Ausbildungsstation Gärtnerei gehört auch die Eigenproduktion von Pflanzen: darunter Gemüse wie Tomaten und Gurken, Violas – oder Weihnachtssterne. „Eine sehr intensive Kultur, wo man viel Arbeit und Pflege reinstecken muss“, erklärt Gamrath. Drei bis vier Mal pro Tag muss er nach den Pflanzen sehen, kontrollieren, ob der Wasserhaushalt stimmt und die Weihnachtssterne überbrausen.

Herausforderung: Gießen

Dabei ist das Gießen generell eine herausfordernde Aufgabe. „Ich habe es immer noch nicht ganz drauf, aber ich habe am Anfang bestimmt zwei bis drei Monate gebraucht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Pflanzen wie viel Wasser brauchen“, erzählt Niki Gamrath. „Das richtige, korrekte Gießen ist die schwierigste Arbeit von Gärtnern“, pflichtet ihm sein Ausbilder Markus Huttenlocher bei. „Es passiert selbst mir, dass ich es falsch einschätze, weil jede Pflanze individuell ist. Jede Pflanze steht für sich – das macht die Schwierigkeit aus.“

Aber auch Themen wie Dünger- und Erdlehre, Temperatur- und Kulturführung oder der Einsatz von Nützlingen zur Schädlingsbekämpfung spielen bei der Produktion von Pflanzen eine Rolle. All das lernt Niki Gamrath nicht nur in seinem Ausbildungsbetrieb, sondern auch in der Marianne-Rosenbaum-Schule in Straubing.

Neben der Kulturführung, zu der unter anderem das Vermehren und Erhalten von Pflanzen gehört, stehen hier unter anderem die Fächer Vermarktung und Dienstleistung sowie das Gestalten von Schalen oder Balkonkästen auf dem Stundenplan. Ein großes Thema, dem sich der Unterricht widmet, sind die Pflanzenkenntnisse. Wie ist eine Pflanze aufgebaut? Wie funktioniert ihr Stoffwechsel? Und wie lautet ihr botanischer Name? Das erinnert nicht umsonst an das klassische Schulfach „Biologie“ und für das Auswendiglernen von Bezeichnungen wie „Euphorbia pulcherrima“ – die wissenschaftliche Bezeichnung für den Weihnachtsstern – ist auch einmal Geduld und Fleiß gefragt.

15 Kilometer pro Tag

Meistens verbringt Gamrath drei Wochen im Betrieb und dann eine Woche in der Schule, doch der Turnus kann in den Ferien abweichen – und während der Hochsaison Anfang April bis Anfang Juni. Denn sobald sich der Frühling seinem Ende zuneigt, wollen die meisten ihre Balkone und Beete neu gestalten. Über 1.000 Kunden kommen in dieser Zeit beispielsweise an einem Freitag ins Gartencenter, erzählt Markus Huttenlocher. Für die 25 Mitarbeiter bedeutet das, im Laufschritt über die Verkaufsfläche zu eilen. Eine Strecke von 15 bis 17 Kilometern kommt hier schnell zusammen.

Die dafür nötige Kondition entwickelt sich laut Niki Gamrath mit der Zeit. Am Anfang hatte er mit schmerzenden Füßen zu kämpfen, auch der Rücken habe wehgetan. Doch: „Irgendwann kommt der Punkt, wo man merkt, dass man das nicht nur aushält, sondern auch genießt, den ganzen Tag aktiv zu sein“, so der 22-Jährige.

Schultertief im Dreck

Eine gewisse körperliche Gesundheit muss man für die Ausbildung und den Beruf laut Gärtnermeister Markus Huttenlocher aber mitbringen. Denn schweres Heben gehört dazu, ebenso die gebückte Arbeit an den Verkaufstischen mit den Pflanzen. Und manchmal muss man den Gewächsen besonders rigoros zu Leibe rücken: Vor Kurzem haben die beiden zum Beispiel einen großen Olivenbaum für einen Kunden umgetopft. Hier kommt schweres Gerät zum Einsatz – der Baum wurde mit einer Hochhub-Ameise zwei Meter hochgehoben und mit Gewalt aus dem alten Topf geholt. Die Wurzeln müssen mit großen Messern bearbeitet werden. Man steht teilweise bis zu den Schultern im Dreck – und Niki Gamrath ist mit Freude dabei. „Ich liebe es, große Pflanzen umzutopfen, mich danach auch darum zu kümmern, dass es denen gut geht, dass sie gut heilen, dass sie wieder gut verwurzeln – das macht mir Spaß“, erzählt der Azubi.

Ein Gespür für Pflanzen brauche man für den Beruf, das Interesse müsse da sein, so Markus Huttenlocher. Schulische Noten sind ihm hingegen nicht so wichtig. Ein Mittelschulabschluss ist ausreichend. Grundkenntnisse in Mathematik sollten vorhanden sein, da Flächen- und Prozentrechnung für den Berufsalltag benötigt werden.

Besser als gar nichts?

Dann stehen einem mit der Ausbildung viele Möglichkeiten offen, aufgrund des Fachkräftemangels sind die Übernahmechancen sehr gut. Der Beruf ist laut Huttenlocher zukunftssicher und krisenfest. Man beschäftige sich mit aktuellen Themen wie Hitze- und Umweltschutz, etwa mit der Begrünung von Dächern und Fassaden. Trotzdem kämpft der Berufsstand mit Vorurteilen. Gärtner sei besser als gar nichts, bekommt Markus Huttenlocher öfter zu hören. Der Beruf werde nicht als das wahrgenommen, was er sei, nämlich vielfältig, spannend und auch herausfordernd. Das ärgert den 46-Jährigen. „Wir können Menschen glücklich machen, die Umwelt verändern, das Klima verändern – wir Gärtner können das“, betont er.

Auch Niki Gamrath würde sich mehr Respekt und Wertschätzung für den Beruf wünschen. Er plant, nach der Ausbildung und einer gewissen Zeit als Geselle den Meister zu machen – und selbst auszubilden. „Ich glaube, dass ich Gefallen daran hätte“, meint er. Sandra Schörghuber

Info: Das Gartencenter Bayerstorfer bietet zum Ausbildungsstart 2027 wieder Ausbildungsplätze für Gärtner und Gärtnerinnen im Zierpflanzenbereich mit dem Schwerpunkt Beraten und Verkaufen an. Praktika können in dem Betrieb ebenfalls absolviert werden.

Bildunterschriften:

  • Weihnachtssterne sind arbeitsintensiv. Niki Gamrath muss sich täglich um sie kümmern und zum Beispiel – wie hier auf dem Bild – zum richtigen Zeitpunkt zurückstutzen, damit sie schön buschig wachsen. Fotos: Sandra Schörghuber
  • Der 22-Jährige liebt die Arbeit mit den Pflanzen. „Ich will etwas Schönes in die Welt bringen und den Leuten eine Freude machen“, sagt er.
  • Über Blümchen freut sich jeder, findet auch Markus Huttenlocher. Doch der Gärtnerberuf wird laut dem 46-Jährigen oft unterschätzt.

Infokasten:

Ein Beruf – viele Möglichkeiten

Bei der Gärtnerausbildung werden sieben verschiedene Fachrichtungen angeboten: Baumschulgärtner, Gemüsegärtner, Obstgärtner, Friedhofsgärtner, Landschaftsgärtner, Staudengärtner sowie Zierpflanzengärtner, wobei hier noch zwischen den Schwerpunkten Verkauf und Beratung sowie Produktion unterschieden wird.

Weiterbildung oder Studium?

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung stehen viele Karrierewege offen: Sei es der Techniker oder Meister oder zum Beispiel auch die Weiterbildung zum Fachagrarwirt für landwirtschaftliche Direktvermarktung, die sich mit Marketing und Kommunikation beschäftigt. Mit dem (Fach-)Abitur können Gärtner außerdem Gartenbau oder Landschaftsarchitektur studieren oder mit dem passenden Master in der Tasche als Berufsschullehrer arbeiten.

Mehr Informationen zu der Ausbildung und den Perspektiven, die sie ermöglicht, gibt es unter www.beruf-gaertner.de.

Der 22-Jährige liebt die Arbeit mit den Pflanzen. „Ich will etwas Schönes in die Welt bringen und den Leuten eine Freude machen“, sagt er. Foto: Sandra Schörghuber
Der 22-Jährige liebt die Arbeit mit den Pflanzen. „Ich will etwas Schönes in die Welt bringen und den Leuten eine Freude machen“, sagt er. Foto: Sandra Schörghuber
Weihnachtssterne sind arbeitsintensiv. Niki Gamrath muss sich täglich um sie kümmern und zum Beispiel– wie hier auf dem Bild– zum richtigen Zeitpunkt zurückstutzen, da mit sie schön buschig wachsen. Foto: Sandra Schörghuber
Weihnachtssterne sind arbeitsintensiv. Niki Gamrath muss sich täglich um sie kümmern und zum Beispiel– wie hier auf dem Bild– zum richtigen Zeitpunkt zurückstutzen, da mit sie schön buschig wachsen. Foto: Sandra Schörghuber

Weiter Informationen unter:


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