Foto: Sandra Schörghuber25.09.2026 ● Sandra Schörghuber
„Die großen Aufgaben der Menschheit“ - Damit beschäftigt sich der Master „Nachhaltigkeit und Transformation“ an der Hochschule Landshut – was man dafür mitbringen sollte
Seit dem Wintersemester 2024/2025 gibt es an der Hochschule Landshut den Masterstudiengang „Nachhaltigkeit und Transformation“. Im Gespräch mit unserer Mediengruppe erzählen Studiengangsleiter Prof. Dr. Markus Schmitt und Markus Haslbeck, Student im zweiten Semester, was den Master auszeichnet, welche Perspektiven er bietet und warum man dafür auch etwas Frustrationstoleranz mitbringen sollte.
Herr Haslbeck, was hat Sie an dem Studiengang angesprochen?
Markus Haslbeck: Man bekommt innerhalb kurzer Zeit einen Überblick über die verschiedensten Themen zu Nachhaltigkeit und Transformation.
„Nachhaltigkeit und Transformation“ ist auch der Name des Studiengangs. Was verstehen Sie unter den beiden Begriffen, Herr Prof. Dr. Schmitt?
Prof. Dr. Markus Schmitt: Nachhaltigkeit ist nach unserem Verständnis ein Idealzustand menschlicher Gesellschaften. Dieser Idealzustand hat bei uns drei Merkmale: Dass wir als Menschen im Rahmen der ökologischen Tragfähigkeit des Lebensraums bleiben. Dass wir so viele Güter produzieren, dass alle Menschen in Würde leben können. Und, dass wir bei all dem sozial gerecht sind. Wir sprechen hier von drei Standards, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, von denen wir aber heute ziemlich weit entfernt sind – und das macht das Themenfeld Nachhaltigkeit auch aus wissenschaftlicher Sicht so spannend.
Veränderungen, die auf allen Ebenen stattfinden
Transformation im Kontext von Nachhaltigkeit bedeutet gesellschaftlichen Wandel, durch den wir uns diesem Idealzustand annähern. Es sind Veränderungen, die auf allen staatlichen und überstaatlichen Ebenen stattfinden, und es braucht die Beiträge aller Akteursgruppen – vom Individuum über Unternehmen, Politik, Zivilgesellschaft hin zur Wissenschaft. Transformationen brauchen Eingriffe in den Status quo, die nicht nur technisch und ökonomisch sind, sondern auch politisch und kulturell.
Das erklärt die thematische Bandbreite des Studiengangs.
Prof. Dr. Markus Schmitt: Es ist ein erklärtes Ziel, dass wir mit unserem Studiengang das Thema Nachhaltigkeit in der vollen Bandbreite ansprechen, und deswegen ist es für uns auch sinnvoll, das als Masterstudiengang anzubieten. Denn die Studierenden haben schon eine Fachdisziplin, die sie mitbringen. Sie können dann ihre Spezialdisziplin vom Bachelor miteinbringen und Nachhaltigkeit in der vollen Breite weiterdenken und gestalten.
Herr Haslbeck, was ist Ihr erster Studiengang?
Markus Haslbeck: Betriebswirtschaft mit Vertiefung in Verkehr und Logistik. Ich war längere Zeit in der Logistikbranche tätig und wollte eine berufliche Neuorientierung. Jetzt kombiniere ich eine Ausbildung in Körpertherapie und das Studium.
Wie ist es für Sie möglich, beides gleichzeitig zu machen?
Markus Haslbeck: Das ist sehr gut kombinierbar, weil es zwei Tage gibt, an denen keine Vorlesungen sind. Ich plane außerdem, das Studium in fünf Semestern zu machen.
Prof. Dr. Markus Schmitt: Das haben wir übrigens bei einigen unserer Studierenden, die ihr Masterstudium nicht auf drei Semester auslegen, sondern von Anfang an auf vier oder fünf, weil sie eben nebenher noch erwerbstätig sind oder familiäre Verpflichtungen haben. Das lässt sich bei unserer Studienorganisation ganz gut darstellen, weil wir nur drei Werktage für die Präsenzvorlesungen beanspruchen.
Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist gefühlt überall präsent. Warum wird speziell dieser Masterstudiengang in Landshut benötigt?
Prof. Dr. Markus Schmitt: Wenn man fragt, wo es sonst noch Ähnliches gibt, dann ist es gar nicht so viel und wenn, dann immer mit einer spezifischen Prägung – also Nachhaltigkeitsmanagement für Betriebswirte oder nachhaltige Stadtentwicklung für Geografen oder Kreislaufwirtschaft für Wirtschaftsingenieure.
In die Breite denken können
Aber wir wollten Nachhaltigkeit in ihrer vollen Bandbreite anbieten, weil wir dann erst das Leistungspotenzial aller Wissenschaftsrichtungen erkennen und Nutzen können. Es ist wichtig, Leute zu haben, die auch in die Breite denken können. Sonst sind wir sehr schnell immer im Sektorspezifischen oder Wissenschaftsspezifischen und damit greifen wir häufig zu kurz. Für eine Hochschule wie unsere ist es auch enorm spannend und hochinnovativ, einen Studiengang anzubieten, der für alle Fachrichtungen zugänglich ist. Es ist – zumindest für uns Lehrende und ich glaube auch für die Studierenden – eine ganz neue Art von Studienerlebnis, weil ständig ein Wissensaustausch stattfindet, auch außerhalb der Lehrveranstaltungen.
Können Sie hierzu ein Beispiel nennen?
Markus Haslbeck: Es wird grundsätzlich darauf geachtet, dass wir viel in Gruppenarbeit machen, dass wir Diskussionen haben. Aber auch, wenn man danach in die Mensa geht, wird viel diskutiert. Und das Spannende ist eben, dass ich von der betriebswirtschaftlichen Seite komme, dann hat man jemanden, der Psychologe ist, jemanden, der Soziale Arbeit studiert hat oder Wirtschaftsingenieurwesen. Jeder bringt etwas anderes mit. Der Studiengang wird auch grundsätzlich sehr gut angenommen. Für einen Master sind wir hier schon viele Studenten.
Prof. Dr. Markus Schmitt: Wir hatten jeweils über 40 Erstsemester in den ersten beiden Jahrgängen. Das ist für eine Hochschule wie Landshut sehr gut. Und wir sind einer der Studiengänge, die relativ viele Erstsemester auch aus dem nicht unmittelbaren regionalen Umfeld haben. Wir haben etliche Erstsemester, die zu uns aus anderen Bundesländern kommen, aus Baden-Württemberg, Hessen, teilweise auch Norddeutschland, und das zeigt, dass es so ein Angebot nach meiner Kenntnis genau noch einmal gibt, nämlich in Bochum, und ansonsten an keiner Hochschule in Deutschland.
Achten Sie bei den Studierenden darauf, dass eine Diversität da ist, aus der Sie schöpfen können?
Prof. Dr. Markus Schmitt: Die Heterogenität ist uns wichtig, aber wir können es nicht direkt steuern. Wir laden alle ein und sind umso erfreuter, je heterogener die Studierendengruppe ist. Wir haben das in den ersten beiden Jahrgängen ausgewertet: Von den gut 40 Erstsemestern hatten wir mindestens ebenso viele, wenn nicht sogar mehr unterschiedliche Abschlüsse, weil manche auch schon einen zweiten Abschluss haben. In beiden Jahrgängen waren Leute aus den Natur-, Technik-, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften und dem Bereich Gesundheit. Es gibt auch Leute, die altersmäßig schon in der Gruppe 50 plus sind, einer war sogar über 70. Manche nutzen den Studiengang, um ihrem beruflichen Weg noch mal eine andere Richtung zu geben. Tatsächlich ist es so, dass wir eine sehr große Vielfalt haben.
Gestalten, nicht nur analysieren
Was sollte man Ihrer Meinung nach für den Studiengang mitbringen?
Prof. Dr. Markus Schmitt: Formal einen Hochschulabschluss und ansonsten einfach Interesse für die großen Aufgaben der Menschheit. Und die Bereitschaft, sich auf komplexe Sachverhalte einzulassen, und den Willen zur Gestaltung – nicht nur zu analysieren. Wir wollen auch auf die Handlungsebene kommen und im Kleinen wie im Großen gestalten. Letztlich auch die Bereitschaft, das mitgebrachte Wissen in den Lernprozess einzubringen, sodass alle voneinander lernen können.
Wie sind in dem Studiengang Theorie und Praxis verknüpft?
Markus Haslbeck: Es gibt im zweiten Semester ein Praxisprojekt.
Prof. Dr. Markus Schmitt: Wir haben auch sehr viele Gastvorträge aus der Praxis und gehen regelmäßig raus für Exkursionen, ob das jetzt Exkursionen in die Natur sind, um ökologische Systeme zu verstehen, oder Exkursionen in Städte, wenn wir Transformationen im Stadtbereich untersuchen wollen oder im Energiebereich in Energieerzeugungsanlagen. Das ist schon prägend für unseren Studiengang.
Markus Haslbeck: Das kann ich nur bestätigen. Wir hatten allein im Modul Ernährung drei oder vier Gastvorträge und zwei Exkursionen. Das ist schon sehr viel und das kannte ich so nicht.
Welche Perspektiven haben Absolvierende?
Prof. Dr. Markus Schmitt: Aus meiner Sicht gibt es zwei Arten von Jobs, die für die berufliche Perspektive relevant sind. Die eine Art von Jobs sind diejenigen, die Nachhaltigkeit weiterhin in der vollen Breite bearbeiten – zum Beispiel als Nachhaltigkeitsmanager oder Referent für Nachhaltigkeit in größeren Organisationen. Viele mittelständische und große Unternehmen haben solche Stellen eingerichtet. Sie arbeiten im Auftrag der Geschäftsleitung und koordinieren die verschiedensten Funktionsbereiche oder auch hierarchischen Ebenen im Unternehmen.
Nachhaltigkeit in den Beruf miteinbringen
Andere Jobs sind die, die in den traditionellen Funktionsbereichen mit den Bachelor-Fachrichtungen zugänglich sind und in die unsere Absolventen und Absolventinnen zusätzlich die Nachhaltigkeitskomponente miteinbringen. Das ist zum Beispiel die Ingenieurin, die in der Produktentwicklung darauf achtet, dass das Produkt zukünftig auch kreislauffähig ist. Oder der Betriebswirt, der im Finanzbereich tätig ist, aber zusätzlich auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung übernimmt. Oder der Sozialarbeiter, der in einem Wohlfahrtsverband arbeitet, und dort darauf achtet, dass auch in den internen Regularien das Themenfeld soziale Gerechtigkeit immer berücksichtigt wird.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus, Herr Haslbeck?
Markus Haslbeck: Bei mir ist es noch relativ offen. Aber der Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung oder auch den CO2-Footprint in Unternehmen zu messen, kommt für mich in Betracht.
Haben Sie einen Tipp für alle, die sich für das Studium interessieren?
Markus Haslbeck: Es ist wichtig, dass man sich für die Themen interessiert, aber auch ein wenig Frustrationstoleranz mitbringt. Viele Themen, die im Studium angesprochen werden, werden aktuell nicht umgesetzt, weil Technik, Wirtschaft, Politik und Kultur noch nicht ausreichend gut zusammenwirken – zum Beispiel bei der Energiewende. Die Frage ist, wie schaffen wir diese Transformation?
Prof. Dr. Markus Schmitt: Aus meiner Sicht ist auch die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Studierenden wichtig. Sie geht am Tag der Geburt los und wir sind nur ein Abschnitt von drei oder maximal fünf Semestern. Es ist wichtig, dass die Studierenden sehr bewusst durchs Masterstudium gehen und schauen, dass sie ihr persönliches Bildungsprofil so weiterentwickeln, dass sie hinterher auch anschlussfähig sind an Jobangebote oder an das, was sie selbst für sich im Leben erreichen möchten.
Interview: Sandra Schörghuber
Info: Mehr Infos gibt es unter www.haw-landshut.de. Prof. Dr. Markus Schmitt steht als Studienfachberater zudem als Ansprechpartner bei Fragen zur Verfügung.



