Foto: Petra Scheiblich25.09.2026 ● Petra Scheiblich
Wegweiser für Planlose ... und nicht nur für die: Das Berufsinformationszentrum in Landshut unterstützt bei Berufswahl und Jobsuche
Jeder Mensch steht irgendwann an einem Scheideweg, die meisten sogar mehrmals im Leben. Besser gesagt: im Berufsleben. Wer an so einem Punkt angelangt ist, an dem er Entscheidungen treffen muss, die seine Zukunft ziemlich beeinflussen werden, muss damit nicht alleine zurechtkommen. Damit der schwierige erste Schritt nicht so schwerfällt, gibt es das Berufsinformationszentrum der Bundesagentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen, kurz: das BIZ.
Wenn man das BIZ in Landshut betritt, kommt man in helle, offene Räume, von draußen leuchtet das Grün der üppigen Bepflanzung herein, und am Empfang wird man mit einem Lächeln begrüßt. Für jemanden, der so gar nicht weiß, wo es nach der Schule langgehen soll, ist das schon mal ein guter Start. Und das sind gar nicht so wenige junge Leute. „Viele kommen erst, wenn sie das Zeugnis in der Hand haben, oder am Ende der Ferien“, sagt Bernhard Peisl, Leiter des fünfköpfigen Teams, das den Besuchern hier zur Seite steht.
Die Aussichten, doch noch ab Herbst ins Berufsleben einsteigen zu können, sind auch für „Spätzünder“ gar nicht so schlecht. „Es gibt immer noch mehr offene Stellen als Bewerber“, erklärt Doris Schramm, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Landshut-Pfarrkirchen.
Konkret ist das BIZ ein Ort zur Selbstinformation: Hier gibt es jede Menge Broschüren und Flyer, vor allem aber Computer und Tablets, an denen man sich in Ruhe in Online-Recherchen auf der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz oder einem passenden Praktikum vertiefen kann. „Wir stehen hier als Digitale Scouts bereit“, sagt Peisl. Eine richtige Berufsberatung ist zwar nicht möglich, „doch wir sind mit den Kollegen verzahnt“, sodass der Kontakt gleich hergestellt werden kann. Die Arbeitsagentur bietet eine Vielzahl von Tools wie Berufs- und Persönlichkeitstests sowie Jobportale, über die man fündig werden kann. „Wenn ich einfach so ins Netz gehe, erschlägt mich die Menge an Informationen“, weiß Bernhard Peisl. Ein Scout könne da den Weg weisen.
Sich erst mal seiner Stärken bewusst werden
„Wir schauen erst mal, wie weit die Person im Prozess bereits ist“, erklärt Peisls Kollegin Susanne Kindsmüller. „Viele sagen, sie wissen noch gar nicht, was sie tun wollen“. Doch auch für Schulabgänger, die noch total planlos sind, hat die Arbeitsagentur Tools: zum Beispiel die Webseite „Mein-Beruf.de“, auf der man einen „Berufswahlfahrplan“ in acht Schritten durchlaufen kann.
Der beginnt erst mal mit einem Selbsttest: Mit „Check-U“ kann man sein persönliches Stärkenprofil erstellen und sich Gedanken darüber machen, was einen wirklich interessiert. Wichtig sei bei diesem Test, „dass man sich Zeit nimmt und ehrlich ist“, so Kindsmüller. „Dann bekommt man auch ein gutes Ergebnis, also eine Richtung, in die es gehen könnte.“
Im nächsten Schritt kommt die erste große Recherchearbeit, bei der man sich einzelne Berufsfelder genauer ansieht: Welche Berufe passen überhaupt zu meinen Talenten und Interessen?
So wird die Berufswahl immer konkreter. Dann aber kommt auch die Realität noch mit ins Spiel, sagt Kindsmüller: „Bevor man zu träumen anfängt, sollte man auch beachten: In welchem Beruf gibt es überhaupt offene Stellen?“ Fest steht: Die Arbeitsagentur ist mit den Arbeitgebern in der Region bestens vernetzt.
Auch die Eltern können ihre Kinder ins BIZ begleiten, dafür ist extra am Donnerstagnachmittag geöffnet. Oft seien es eben auch Mama oder Papa, die plötzlich feststellen: „Jetzt pressiert’s“, weiß Peisl.
Berufe live erleben mit Experten vor Ort
Außerdem gibt es hier regelmäßig Live-Veranstaltungen zu den Themen Berufswahl und Bewerbung. Kürzlich stellten Vertreter von Zoll und Bundeswehr ihre Ausbildungsmöglichkeiten vor. Oft geht es auch um Nischenberufe wie Förderlehrer oder um Berufe rund ums Autohaus oder Hotel. Selbst kleine Messen werden ausgerichtet, zum Beispiel „Beschäftigung am Flughafen“. „Mit Experten vor Ort kann man gut das Feuer entfachen“, meint Peisl. Immer wieder werden auch Bewerbungstrainings und die Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch angeboten.
Dies ist aber nur die eine Hälfte des Serviceangebots im BIZ. Die zweite betrifft die Unterstützung rund um e-Services der Bundesagentur für Arbeit. Vieles läuft hier nur noch online ab, und nicht alle Kunden können sich im digitalen Dschungel zurechtfinden. Anderen fehlt einfach die nötige Hardware, um zum Beispiel eine Bewerbung auszudrucken. Auch diese Kunden – so werden alle genannt, die mit einem Anliegen zur Arbeitsagentur kommen – finden hier das technische Equipment wie Drucker und Scanner und falls nötig auch persönliche Hilfestellung vor.
Nur keine 0815-Bewerbung!
Neben Kunden mit Migrationshintergrund, für die es hier auch eine Anerkennungsberatung für Berufsabschlüsse gibt, kommen immer wieder Menschen, „die sich seit 20 Jahren oder mehr nicht beworben haben“, berichtet Susanne Kindsmüller. Auch denen werde mit Vorlagen und Tipps geholfen, damit es am Ende „keine 0815-Bewerbung“ wird.
Bei einem Ratschlag sind sich alle im BIZ-Team völlig einig: Die beste Bewerbung sei immer noch, als Mensch zu überzeugen. Das schaffe man aber meist nicht mit einem Motivationsschreiben, sondern nur über ein Praktikum. Ein Tipp, der für Schulabgänger genauso gilt wie für etwas ältere Bewerber. Petra Scheiblich
Bildunterschriften:
- Noch nicht den Traumberuf gefunden? Bernhard Peisl, Susanne Kindsmüller und Katrin Ahnert helfen auf die Spur. Fotos: Petra Scheiblich
- Das BIZ ist auch ein Ort für Kunden der Arbeitsagentur, die Hilfe beim e-Service brauchen.
- Ruhige Atmosphäre und Mitarbeitende, die sich Zeit nehmen: ein guter Start für Jobsuchende.




