Fotos: Sandra Schörghuber25.09.2026 ● Sandra Schörghuber
Hier ist die Welt zuhause - Eine kleine Privatschule in der vhs Landshut bildet Fremdsprachenkorrespondenten aus
Die Schülerinnen und Schüler der Fremdsprachenschule stehen gleich zu Beginn ihrer Schulzeit vor einer schwierigen Entscheidung: Spanisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch? Englisch ist als erste Fremdsprache gesetzt, doch was soll die zweite Fremdsprache werden, mit der sie sich in den nächsten beiden Schuljahren beschäftigen? Diese Sprachenvielfalt ist nur ein Faktor, der die Schule hervorhebt.
„Für mich ist das Besondere, dass wir eine kleine familiäre Schule sind, wo sich Lehrkräfte und Schüler gut kennen. Und was ich hier liebe, ist, dass wir uns alle für Fremdsprachen interessieren. Dieses Interesse verbindet uns“, sagt Elvira Almuiña Viz. Die 46-Jährige leitet ab diesem Schuljahr die Schule und unterrichtet Spanisch. Wie die meisten Lehrkräfte ist sie Muttersprachlerin. Zusammen bringen es Schüler und Lehrer auf 24 verschiedene Muttersprachen.
Divers und bunt
Helmut Seidel ist stolz auf diese Diversität – nicht nur bei den Sprachen, sondern auch Religionen und Geschlechteridentitäten. Der ehemalige Schulleiter, der nun Fachübersetzung sowie „Politik und Gesellschaft“ und Deutsch unterrichtet, findet: „Wir sind divers und bunt und ich glaube, das macht die Schule wirklich ganz besonders. Eine ehemalige Schülerin von uns hat mal den schönen Satz geprägt: ‚In der Fremdsprachenschule ist die Welt zuhause.’ Und die Absolventen der Fremdsprachenschule sind in der Welt zuhause.“
Diese offene Atmosphäre in Kombination mit dem Fokus auf Fremdsprachen überzeugte auch Anna Kaiser und Rafael Körner davon, sich an der Fremdsprachenschule einzuschreiben. „Ich bin hier, weil ich ein sehr großer Sprachenfan bin – ich rede verdammt gern Englisch. Mein Gedanke war, dass mir mit diesen Eigenschaften diese Schule am besten gelingt und dass ich mit dieser Ausbildung am weitesten komme“, sagt Kaiser. Sie arbeitete nach dem Fachabitur an einer Tankstelle, als sie auf die Fremdsprachenschule stieß. „Es war klar, dass diese Schule mein nächster Schritt wird“, erinnert sie sich.
Rafael Körner ist zwar in einem zweisprachigen Haushalt aufgewachsen – seine Mutter kommt aus Ungarn –, doch an der Fremdsprachenschule landete er eher zufällig. Helmut Seidel hielt an seiner Realschule einen Vortrag, in dem er die Schule vorstellte. Rafael Körner war dort für die Technik zuständig – und kam nach der Veranstaltung mit dem Lehrer ins Gespräch. Nach 45 Minuten hatte Seidel ihn eigentlich schon davon überzeugt, an die Fremdsprachenschule zu gehen. Den endgültigen Ausschlag gab dann ein Besuch am Tag der offenen Tür. Bereut hat der 17-Jährige die Entscheidung nicht: „Ich freue mich das erste Mal in meinem Leben so richtig darauf, jeden Tag zur Schule zu gehen.“
Vielfältige Perspektiven
Mit dem Fachabitur, das auch den Abschluss nach einem Schuljahr an der Fremdsprachenschule ermöglicht, beziehungsweise der Mittleren Reife bringen die beiden Schüler schon die wichtigste Voraussetzung für den Schulbesuch mit, genauso wie das unbedingt benötigte Interesse an Fremdsprachen. Mathematik ist hingegen laut Helmut Seidel nicht wichtig, stattdessen braucht es gute Englischkenntnisse und ein großes Interesse an anderen Kulturen. „Unsere Absolventen sind eben auch Kulturmittler, weil sie Kommunikationsspezialisten sind, die Kommunikation über mehrere Sprachen, aber in vielen Fällen auch über mehrere Kulturen hin ermöglichen“, sagt er.
Mit dieser Fähigkeit würden sie im Prinzip in der gesamten Wirtschaft gebraucht. Sei es bei international tätig Unternehmen in der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten oder als Assistenz der Geschäftsleitung. Auch bei Patentanwaltskanzleien oder in der Tourismusbranche, beispielsweise am Flughafen, seien die Absolventen laut Elvira Almuiña Viz sehr beliebt. Mit dem Abschluss steht ihnen zudem die Perspektive offen, die Ausbildung zum Fachübersetzer oder Dolmetscher zu absolvieren oder sich am Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern auch ohne Abitur zur Fachlehrkraft für Englisch und Informationstechnik ausbilden zu lassen.
Anna Kaiser und Rafael Körner stehen zwar erst am Anfang ihres zweiten Schuljahres, haben jedoch schon konkrete Ideen für ihre berufliche Zukunft. Kaiser könnte sich vorstellen, nach dem Abschluss an die Dolmetscherschule zu gehen – oder sich einen Traum zu erfüllen und im Londoner Westend als Musicaldarstellerin zu arbeiten. „Das Englisch, das wir hier lernen, wird mich nur noch weiterbringen“, ist sich die 20-Jährige sicher.
Rafael Körner setzt bei seiner beruflichen Zukunft auf die zweite Fremdsprache, die er gerade an der Schule lernt: Chinesisch. Zunächst will der 17-Jährige auf der BOS das Fachabitur nachholen, um dann am Sprachen und Dolmetscher Institut (SDI) in München entweder „International Communication and Business“ oder „Modern Chinese Studies“ zu studieren – oder auch beides.
Technik oder Wirtschaft?
Mit der Wahl des Zweiges können die Schülerinnen und Schüler bereits eine erste Entscheidung treffen, in welche Richtung sie später gehen wollen. Zur Wahl stehen Wirtschaft oder Technik. Letzteres bietet die Fremdsprachenschule Landshut als einzige in ganz Bayern an. Bei den Zweigen geht es laut den Lehrkräften Elvira Almuiña Viz und Helmut Seidel jedoch nicht darum, sich in Dinge wie Rechnungswesen oder Naturwissenschaften zu vertiefen, sondern darum, Prozesse zu verstehen und sich das jeweilige Fachvokabular anzueignen. In den ersten Schulwochen können die Schülerinnen und Schüler Stunden in beiden Zweigen besuchen. Die endgültige Entscheidung für Wirtschaft oder Technik muss erst im Oktober getroffen werden.
Englischunterricht ist an der Fremdsprachenschule für alle verpflichtend, mit Fächern wie Allgemeine Sprachgrundlagen, Dolmetschen, Landeskunde oder Handelskorrespondenz. Hinzu kommt eine zweite Fremdsprache: Spanisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch. Anna Kaiser hatte an ihrer vorherigen Schule bereits Spanischunterricht und hat sich erneut dafür entschieden. Ihr gefällt es, nun tiefer in die Sprache einzutauchen und auch etwas über die Geschichte und Kultur der spanischsprachigen Länder zu lernen – von Muttersprachlern, was für sie „ein großer Pluspunkt“ ist.
Grundsätzlich sind in der zweiten Fremdsprache jedoch keine Vorkenntnisse nötig. Rafael Körner konnte vorher zum Beispiel kein Chinesisch. Nun sind er und seine Mitschüler vom Chinesischunterricht sogar so begeistert, dass sie sich am Freitagnachmittag mit ihrer Lehrerin zu einem extra Workshop treffen, um dort die Dinge zu besprechen, für die im regulären Unterricht – trotz Doppelstunden – keine Zeit bleibt. Sie üben dort etwa, wie man traditionell richtig mit Stäbchen isst, oder spielen chinesische Brettspiele.
Dieses Agieren auf Augenhöhe zwischen den Lehrkräften und Schülern gefällt Körner an der Schule. Man sei auf einer Ebene und könne miteinander reden – anders als er es in seiner vorherigen Schule erlebt habe. „Man ist gerne hier“, sagt er. Die Schule sei weltoffen und man könne über alles sprechen. Etwas, was zu diesem familiären Gefühl an der Schule beiträgt, ist das Programm „Erasmus+“.
Praktikum im Ausland
Damit können die Schüler für ein Praktikum über die Osterferien für drei Wochen nach Spanien, Frankreich oder Irland fahren. „Eine wundervolle Erfahrung“, die man laut Anna Kaiser auf keinen Fall verpassen sollte und die die Schüler besonders zusammengeschweißt hat. Sie und Rafael Körner waren in Irland, wo sie nach einer Woche Sprachunterricht vor Ort im Café gearbeitet haben, um mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Das Eintauchen in die Sprache und Kultur hat beiden gefallen. „Die Leute in Irland sind superherzlich. Man kann mit ihnen perfekt Small Talk führen, weil sie so offen sind“, erzählt Rafael Körner.
Das Auslandspraktikum ist kostenpflichtig – wie auch der Besuch der Fremdsprachenschule. Sie ist eine staatlich anerkannte Privatschule. Monatlich fallen hier Kosten in Höhe von 184 Euro an, hinzu kommen ein Büchergeld sowie Gebühren für die Anmeldung an der Schule und das Ablegen der Prüfungen. Eine Förderung durch BAföG ist jedoch möglich. Sandra Schörghuber
Info: Die Fremdsprachenschule vergibt auch nach Schuljahresbeginn noch Restplätze. Interessierte können sich beim Tag der offenen Tür am Samstag, 19. September, von 10 bis 12 Uhr in der vhs Landshut und unter www.fremdsprachenschule-landshut.de informieren.



