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Anna-Maria Nunner (unten) hat unlängst ihre Ausbildung zur Hörakustikerin beendet. Sie arbeitet mit ihrer Schwester Katrin in deren eigenem Hörakustik-Unternehmen in Straubing.Foto: Mika-fotografie

13.02.2026 ● Doris Emmer

Die Welt der Klänge wieder besser wahrnehmen - Anna-Maria Nunner ist Hörakustikerin und hilft Menschen mit Einfühlungsvermögen und Technikwissen

Bei meinem Hörtest nehme ich über den Kopfhörer einen leisen, hellen Ton wahr. Ich hebe die Hand. Hörakustikerin Anna-Maria Nunner setzt mit der Maus eine Markierung auf dem Bildschirm ihres Computers. Ein wenig mulmig ist mir schon. Ist mein Gehör noch in Ordnung? Oftmals wissen Betroffene lange Zeit nichts von ihrer Hörstörung.

Als nächstes wiederhole ich Wörter wie Blatt, Kerl oder Aal, die mir über den Kopfhörer vorgesprochen werden. Nicht schwierig, denke ich mir. Aber verwechsele ich die Wörter vielleicht mit ähnlich klingenden? Am Ende unseres Hörtests lächelt mich Nunner an. „Alles okay!“ Mein Gehör ist normal. Ich brauche keine Unterstützung der Fachfrau. Noch nicht.

„Ein Großteil unserer Kunden ist 50 Jahre oder älter. Aber auch junge Menschen können Hörprobleme haben, etwa erblich bedingt oder nach einem Unfall oder einem lauten Knall.“

Oft kommen die Betroffenen nach dem Besuch beim Arzt zu Anna-Maria Nunner (25) und ihrer älteren Schwester Katrin (28). Letztere hat sich in Straubing selbstständig gemacht. Ihre jüngere Schwester Anna-Maria und eine weitere Kollegin vervollständigen das Team.

Handwerk, Technik und soziale Komponente

„Wir wissen, dass ein Hörgerät nicht gerade eine Wunschvorstellung für einen Menschen ist“, sagt die 25-Jährige. Häufig ist von ihr und ihren Kolleginnen deshalb auch psychologisches Geschick gefragt. „Der Beruf hat neben dem handwerklichen und technischen Bereich ja auch eine soziale Komponente.“

Gerade bei schlechten Ergebnissen im Test muss ein Hörakustiker den Kunden oft erst einmal aufmuntern. „Dieser einfühlsame Kontakt ist sehr wichtig. Wir sehen ja die Menschen immer wieder bei Serviceterminen und begleiten sie so.“ Doch der Beruf verlangt noch andere Fähigkeiten als nur die zwischenmenschlichen.

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Neben der Arbeit im Ausbildungsbetrieb absolviert man achtmal einen vierwöchigen Blockunterricht in einer Fachschule in Lübeck. Dazu kommen noch drei Wochen überbetriebliche Ausbildung.

Blockunterricht in

Norddeutschland

Niemand braucht sich Sorgen zu machen, weil er erst 15 oder 16 Jahre alt ist und für einen Monat nach Lübeck in die Berufsschule geht. „Dort ist ein Internat angeschlossen und es geht sehr familiär zu. Auch wird darauf geachtet, dass zum Beispiel die jüngeren Schüler um 22 Uhr zu Hause sind. Man ist also nicht sich selbst überlassen, trotz der großen Distanz zwischen Norddeutschland und Bayern,“ beruhigt Nunner. Sie denkt mit Freude zurück an ihre Zeit in Norddeutschland. „Für mich war dies eine tolle Erfahrung. Mir hat es in Lübeck extrem gut gefallen. Ich bin durch die Zeit dort selbstständiger und offener geworden.“

Wirtschaftliches

Wissen ist wichtig

Die Azubis werden im Schulunterricht unter anderem in Audiologie und Anatomie geschult. Daneben erwerben die angehenden Hörakustiker auch wirtschaftliches Wissen. Abrechnungen und die Korrespondenz mit den Krankenkassen setzen Theoriewissen voraus.

Auch das Anfertigen von Ohrabdrücken sowie das Fräsen von Werkstücken muss ein Auszubildender lernen. „In größeren Betrieben kann man sich oft auf einen Bereich spezialisieren. Wir hier im kleinen Team machen alles: Hörtests, Anpasstermine, Abrechnungen ...“, sagt die 25-Jährige.

„Wer sich für eine Ausbildung zum Hörakustiker entscheidet, bekommt im ersten Lehrjahr rund 700 Euro Gehalt. In den beiden folgenden Jahren steigt dieses jeweils um 100 bis 200 Euro.“

Praktikanten sollten gemäß Nunner Interesse an diesem vielseitigen Beruf mitbringen. „Wir freuen uns, wenn ein junger Mensch aufgeschlossen und höflich ist und auch mal nachfragt, wenn wir etwas erklären. Zuverlässigkeit und Freundlichkeit sind bei unserer Arbeit Grundvoraussetzungen“, sagt Nunner.

Für die 25-Jährige war es die zweite Ausbildung. Sie freut sich sehr, dass sie nun Hörakustikerin ist. „Es gibt keinen Tag, an dem ich aufstehe und nicht gerne in die Arbeit gehe. Ich schätze den Kontakt mit Menschen und die Bindung an unsere Kunden.“

Anna-Maria Nunner (unten) hat unlängst ihre Ausbildung zur Hörakustikerin beendet. Sie arbeitet mit ihrer Schwester Katrin in deren eigenem Hörakustik-Unternehmen in Straubing.	Foto: Mika-fotografie
Anna-Maria Nunner (unten) hat unlängst ihre Ausbildung zur Hörakustikerin beendet. Sie arbeitet mit ihrer Schwester Katrin in deren eigenem Hörakustik-Unternehmen in Straubing. Foto: Mika-fotografie
Am Computer erfolgt die Auswertung von Hörtests. 	Foto: de
Am Computer erfolgt die Auswertung von Hörtests. Foto: de

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