Foto: Alan Ovaska13.02.2026 ● Interview: Matthias Jell
Schauspieler statt Fußball-Profi - „Wer reich und berühmt werden will, für den ist dieser Beruf nichts“, sagt Moritz Katzmair
Auch bei der Berufswahl sollte man auf sein Herz hören. Bei Moritz Katzmair (42) war es Liebe auf den zweiten Blick. Ab diesem Zeitpunkt wollte er nur noch eines: Schauspieler werden. Mittlerweile zählt er vor allem in Bayern zu den Bekanntesten seiner Zunft und spielte unter anderem bereits im Tatort und einigen Eberhofer-Krimis mit. Warum er letztlich Schauspieler und nicht Fußball-Profi wurde, das verrät Moritz Katzmair im Interview.
Herr Katzmair, Sie sind im Raum Regensburg aufgewachsen. War es schon immer Ihr Traum, Schauspieler zu werden?
Moritz Katzmair: Nein. Ich habe zwar in der Grundschule und im letzten Jahr Gymnasium Theater gespielt, aber danach war das für mich eigentlich erstmal abgehakt.
Dann hat aber die Schauspielschule in Regensburg aufgemacht und ich habe mir das aus Neugier einfach mal angeschaut. Ab diesem Zeitpunkt hat es bei mir sofort gefunkt und der Wunsch war ganz klar, Schauspieler zu werden.
Was genau hat Sie dabei derart angesprochen?
Katzmair: Es war diese Energie auf der Bühne, die mich sofort begeistert hat.
Welche Tipps können Sie Jugendlichen geben, um ihren Traumberuf Schauspieler zu verwirklichen?
Katzmair: Wenn man sowohl den Wunsch als auch den Drang verspürt, unbedingt auf einer Bühne stehen zu wollen, dann sollte man die Schauspielerei auf jeden Fall ausprobieren. Vor allem, wenn man noch jung ist. Stellt man dann fest, dass es doch nicht zu einem passt, dann hat man immer noch die Möglichkeit, einen anderen Beruf zu ergreifen.
Welche Anlaufstationen hat man, wenn man eine professionelle Ausbildung zum Schauspieler machen möchte?
Katzmair: Es gibt im ganzen deutschsprachigen Raum renommierte Schauspielschulen, sowohl staatliche als auch private. Dort muss man dann auf Vorsprechtour gehen, sich überall bewerben und dann schauen, wo und ob man angenommen wird.
Braucht man dafür einen bestimmten Schulabschluss?
Katzmair: Bei den meisten ist, glaube ich, mindestens die Mittlere Reife oder sogar Abitur Voraussetzung. Wenn man gut ist, kann man aber auch eine Sondergenehmigung wegen besonderer künstlerischer Begabung zum Studieren bekommen.
„Man sollte schon gerne
im Mittelpunkt stehen“
Würden Sie sagen, Schauspielerei kann jeder lernen oder muss einem das einfach im Blut liegen?
Katzmair: Man sollte es im Blut haben, denn man sollte schon gerne auf einer Bühne und dadurch auch im Mittelpunkt stehen. Das ist nicht für jeden das Richtige.
Ist es ein Hindernis, wenn man Dialekt spricht?
Katzmair: Es ist kein Hindernis, aber es ist Teil der Ausbildung, dass man astreines Hochdeutsch lernt. Da muss man vor allem als Bayer sehr viel üben. Das hat bei mir gut drei Jahre gebraucht.
Sie haben unter anderem im Tatort und in Eberhofer-Krimis mitgespielt. Wie kommt man an solche Rollen?
Katzmair: Das läuft über Caster. Davon gibt es deutschlandweit schätzungsweise 100. Diese besetzen eigentlich alles, was man in Deutschland an Filmen und Serien sieht. Auf deren Casting-Portalen ist man quasi präsent, zum Beispiel „Filmmakers“. Da stellt man sein Video mit Lebenslauf und aktuellen Fotos rein und im Idealfall bekommt man dann Einladungen zu Castings.
Wie schwer ist es, für eine Rolle in einen Charakter zu schlüpfen, der so ganz anders ist als man selbst?
Katzmair: Ich habe mal am Theater die Rolle eines frühkindlichen Autisten gespielt. Damit hatte ich mich davor noch nie auseinandergesetzt, fand das aber sehr spannend. Für diese Rolle musste ich mich im Vorfeld lange einarbeiten und viel recherchieren, um sie dann auch möglichst authentisch spielen zu können.
Aber vor allem für solche schwierigen Rollen lernt man an der Schauspielschule das nötige Handwerk und bestimmte Techniken. Denn unterm Strich ist Schauspiel genauso wie alles andere Handwerk.
Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile, aber auch die Nachteile am Beruf des Schauspielers?
Katzmair: Wenn man die Leidenschaft dafür hat, dann hat man ein Leben lang einen Beruf, der einen erfüllt und der einem Spaß macht. Vor allem, weil er viel Abwechslung durch verschiedene Projekte und Rollen bietet. Das ist mit Sicherheit ein Vorteil. Wer aber nur reich und berühmt werden möchte, der ist in der Schauspielerei fehl am Platz. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man als Schauspieler automatisch berühmt wird. Tatsächlich werden nur die wenigsten reich und berühmt, aber den Rest kennt kaum jemand.
„Die Anfangsjahre
können sehr holprig sein“
Ist die Schauspielerei demnach ein hartes Brot?
Katzmair: Ja und Nein. Ich kann mich nicht beschweren. Für mich ist es gut gelaufen. Vor allem die Anfangsjahre können aber mitunter schon sehr holprig sein.
Das braucht Geduld und Durchhaltevermögen...
Katzmair: Geduld, ein bisschen Glück und vor allem den Willen. Wer zielstrebig und ehrgeizig ist, hat gute Chancen.
Sie arbeiten mittlerweile auch als Regisseur. Wie kam es dazu?
Katzmair: Eigentlich hat mich Regisseur schon immer interessiert. 2009 habe ich am Landestheater Niederbayern angefragt, ob ich beim Jugendclub mitmachen darf. Das war zu dem Zeitpunkt ein gutes Timing, weil der damalige Leiter ohnehin mit Arbeit überschüttet war und mir direkt anbot, für ihn zu übernehmen.
In der Folge habe ich dann immer wieder als Regisseur verschiedene Projekte mit Jugendlichen gemacht und dann am Theater an der Rott erstmals mit Profis.
Was gefällt Ihnen besser: Schauspieler oder Regisseur?
Katzmair: Es ist der Wechsel zwischen beiden Tätigkeiten, der mir Spaß macht. Ich möchte nicht immer dasselbe machen. Die Abwechslung tut mir einfach gut.
Sie arbeiten als Regisseur auch mit Jugendlichen zusammen. Was ist für Sie das Reizvolle an dieser Aufgabe?
Katzmair: Die Möglichkeit, jungen Leuten etwas zu vermitteln. Dass sie durch die Schauspielerei etwas in sich entdecken, das sie vorher nicht kannten: das Gefühl, das einen währenddessen packt und wie man plötzlich in seiner Rolle aufblüht. Aber auch das Selbstbewusstsein, das man entwickelt, wenn man vor Menschen auf einer Bühne steht. Das sind Werte, von denen man ein Leben lang profitiert.
Wenn Sie heute in der Zeit zurückreisen könnten: Würden Sie sich dann wieder für die Schauspielerei entscheiden?
Katzmair: (lacht) Das ist jetzt eine gemeine Frage. Ich glaube, ich würde mich wieder so entscheiden.
Warum genau?
Katzmair: Weil mir der Beruf einfach Spaß macht. Natürlich ist dieser Job zeitlich absolut nicht familienfreundlich, weil vieles nicht planbar ist. Trotzdem überwiegen für mich auch heute noch Spaß, Freude und Leidenschaft.
Gibt es einen anderen Beruf, der Sie immer schon gereizt hätte?
Katzmair: Fußballer! Aber dafür war ich eindeutig zu schlecht. (lacht)
Welche Projekte stehen bei Ihnen aktuell und in naher Zukunft an?
Katzmair: Aktuell das Musical „Oliver“ mit dem Cantemus Chor in Regensburg. Außerdem werde ich demnächst für eine neue Fernsehreihe vor der Kamera stehen. Und an der Schauspielschule bin ich sowieso das ganze Jahr über als Dozent tätig.



